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Hermann Sudermann

14. Juli 1996: Gedenkstunde in Johannisburg
(Einweihung der instand gesetzten Kriegsgräberanlage
auf dem Stadtfriedhof) und in Gehlenburg
(Einweihung eines Gedenksteins auf dem ev. Friedhof)
 
und
 
10. Mai 2003: Feierstunde zur Einweihung der instand-
gesetzten Kapelle auf dem Stadtfriedhof Johannisburg

Der Film von 1996 zeigt folgende Personen in Bild und Ton:
Ulrich Haffke, J. Puchalski, Rudolf Heldt, Kurt Zwikla, u.a.

Der Film von 2003 zeigt folgende Personen in Bild und Ton:
Hans Linke, Johannes Petersen, Wilhelm v. Gottberg, Willi Reck, Mira Kreska, Ditmar Serafin, u.a.

 
bulletAutor und Regisseur:
bullet14. Juli 1996: Gedenkstunde: H. Wallner
Sprecher: Herbert Wallner
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10. Mai 2003: Kapellen-Einweihung: K/A

bulletFormat: PAL, Farbe, DVD-Video
bulletSprache: Deutsch / Polnisch
bulletBildseitenformat: 4:3 - 1.33:1
bulletErscheinungsjahr: 2010
bulletProduktionsjahre: 1996 und 2003
bulletGesamt-Spieldauer: 208 Minuten
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14. Juli 1996: Gedenkstunde: 46 Min.
bulletFilmkapitel:
bulletGedenkstunde in Johannisburg
bulletDie Kirchen in Gehlenburg und Adlig Kessel
bulletGedenkstunde in Gehlenburg
bulletEinweihung des Gedenksteines auf dem Friedhof
bulletAusklang

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10. Mai 2003: Einweihung der Kapelle: 162 Minuten
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Filmkapitel:
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Kapelleneinweihung auf dem Stadtfriedhof

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Feierstunde im Kulturhaus

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Ehrung der alten Ortsfriedhöfe

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Masurische Bauerntänze

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Schlußworte

bulletAnzahl Disks: 2 (DVD5, DVD9)
bulletBooklet: 36 Seiten
bulletBonusmaterial: Nein
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Preis € 26,– zzgl. € 3,– Versandkosten
 


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Bestellungen bitte schriftlich an:
Werner Schuka, Alte Poststraße 37, D-32429 Minden
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14. Juli 1996: Gedenkstunde in Johannisburg
Einweihung der instand gesetzten Kriegsgräberanlage auf dem Stadtfriedhof

 

10. Mai 2003: Feierstunde zur Einweihung
der instand gesetzten Kapelle auf dem Stadtfriedhof Johannisburg

Offizielle Einweihung der restaurierten Kriegsgräberanlage
Feierstunde auf dem Soldatenfriedhof in Johannisburg am 14.7.1996

Als erste offizielle Einweihung der bisher im Heimatkreis restaurierten Kriegsgräberanlagen fand, stellvertretend für die Soldatenfriedhöfe in Arys, Drosselwalde, Gehlenburg und Seehöhe, eine von der Kreisgemeinschaft initiierte feierliche Gedenkstunde mit Kranzniederlegung auf dem Soldatenfriedhof in Johannisburg statt. Die Kreisgemeinschaft setzte mit der Begegnung zwischen Deutschen und Polen an dieser Stelle ein Zeichen für eine in die Zukunft gerichtete Verständigung unserer Völker, damit Kriegsgräber niemals wieder entstehen müssen. Zwei deutsch-polnische Jugendgruppen, organisiert von der „Arbeitsgemeinschaft für die Kriegsgräberarbeit der ostpreußischen Jugend" unter unserem Johannisburger Landsmann Hans Linke, hatte die verwüstete Kriegsgräberanlage im hinteren Teil des alten Kommunalfriedhofes in Johannisburg während zweier Jugendlager wieder in einen ansehnlichen Zustand gebracht. Aber im Gegensatz zu den anderen Kriegsgräbern im Heimatkreis konnten in Johannisburg keine Einzelgräber hergerichtet werden. So wurde die gesamte Fläche eingeebnet und eingegrünt. Nur ein kleines Steinkreuz und das Hochkreuz sind erhalten geblieben. In ihrer Schlichtheit ist es dennoch eine würdige Gedenkstätte. Alle Wiederherstellungsmaßnahmen an den Kriegsgräbern wurden nach Vorgaben des „Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge" in Zusammenarbeit mit dem zuständigen polnischen Denkmalschutzamt durchgeführt. Bürgermeister Janusz Puchalski, Frau Mira Kreska, Vorsitzende des Deutschen Vereins ROSCH, sowie zahlreiche Vereinsmitglieder, dazu Einwohner der Stadt und zwei Bus-Reisegruppen aus der Bundesrepublik waren zu der Gedenkstunde erschienen. Sie wurde durch das gemeinsame Lied „Nun danket alle Gott", musikalisch begleitet von einer Blaskapelle, eingeleitet.
 

Der evangelische Pfarrer Krystof Rej hält die Gedenkrede

Danach hielt Pfarrer Rey von der evangelischen Kirche im Beisein seines katholischen Amtsbruders eine kurze Andacht, in der er auf die Verpflichtung hinwies, Gräberstätten wie diese zu ehren, zu achten und zu pflegen. Im Auftrag des Vorstandes der Kreisgemeinschaft dankte Ulrich Haffke, stellvertretender Kreisvertreter, den beiden Pfarrern, dem Bürgermeister, dem Verein ROSCH, der Jugendgruppe und Hans Linke für das Zustandekommen dieser Gedenkfeier und sprach die Erwartung aus, daß sich die Stadt der weiteren Pflege der Gedenkstätte annehmen möge. Weiter führte er aus: „Die Gleichheit der Menschen verschiedener Nationen mißachtet zu haben, hat uns viel Leid gebracht. Nehmen wir diese Lehren auf, um den Krieg zu ächten"... „wir stehen hier auf historischem Boden, dessen Erde zahlreiche Soldaten deckt, die in unseligen Kriegen ihr Leben für die Heimat gegeben haben. Ihre Namen sind vergangen, wir können sie nicht mehr nachvollziehen. Aber uns Lebenden obliegt die Pflicht, ihrer in Ehren zu gedenken. Und sie haben uns ein Vermächtnis hinterlassen! Die Begegnung zwischen Deutschen und Polen an ihren Gräbern dient dem Wunsch unserer Völker, auf der Basis der historischen Wahrheit die Verständigung zu pflegen und in gegenseitiger Achtung zum Wohle der Menschen eine Zukunft zu bauen, in der Kriege mit ihren leidvollen Begleiterscheinungen, ihren Folgen mit Tod, Blut und Tränen auch Unschuldiger keinen Platz mehr haben. Dies ist das Vermächtnis derer, die hier in heimatlicher Erde ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Bitten wir Gott um die Kraft, diesem Vermächtnis gerecht zu werden."

Bürgermeister J. Puchalski richtete seinerseits im Namen der Stadt Gruß- und Dankesworte an den Deutschen Verein, die Kreisgemeinschaft, die Jugendgruppe und an Hans Linke. „Dieses Treffen hat große Bedeutung", sagte der Bürgermeister, „es dient in hohem Maße der Verständigung und der Freundschaft für eine Zukunft, in der Probleme ohne Kriege, Haß und Leid gelöst werden. In unserem Glauben empfinden es auch wir als Maß der Menschlichkeit, der im Kampf Gefallenen zu gedenken, und halten die Arbeit der Jugend an den Grabstätten für selbstverständlich. Die Einwohner der Stadt und die Verwaltung werden um die Pflege und Ordnung der Gedenkstätte bemüht bleiben. Die gemeinsame Ehrung an dieser Stelle ist wahrhaft ein großer Schritt zur Freundschaft!" Mit einer Schweigeminute schloß der Bürgermeister seine Ansprache.
 

Kranzniederlegung durch die Soldatin Obermat Dörthe Messerschmidt
und den Gefreiten Sebastian Schrot (Sanitätsregiment in Hamm/W.)

Zwei Angehörige des Sanitätsregiments der Bundeswehr in Hamm, die an dem deutsch-polnischen Jugendlager teilgenommen haben, Obermaat Dörthe Messerschmidt (eine Soldatin!) und Gefreiter Sebastian Schrot, trugen den Kranz der Kreisgemeinschaft zum Hochkreuz. Mit dem gemeinsam gesungenen Heimatlied „Land der dunklen Wälder ...", wiederum begleitet von der Blaskapelle, wurde die Gedenkstunde beendet.
 

Verpflichtung über die Gräber: Stellv. Kreisvertreter Ulrich Haffke und
Bürgermeister Janusz Puchalski reichten sich über den Kranz hinweg die Hand
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Quellen:
Fotos: aus dem Film: "14. Juli 1996: Gedenkstunde in Johannisburg";
Text: Johannisburger Heimatbrief 1997, Seite 31-32

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Gedenkstein in Gehlenburg enthüllt
Feierstunde in der Gehlenburger Kirche und auf dem ev. Friedhof

Zu einer Völkerverständigung besonderer Art versammelten sich 50 Leute aus ganz Deutschland in Neuss zu einer Busfahrt nach Ostpreußen. In ihrer Heimatstadt Gehlenburg wollten sie eine Gedenktafel an der ehemaligen evangelischen Kirche anbringen und auf dem deutschen Friedhof einen Gedenkstein für ihre Vorfahren enthüllen. Geleitet wurde die Fahrt von Kurt und Maria Zwikla.

Mit vielen Gastgeschenken beladen, startete der Bus zur großen Reise. Nach 20stündiger Fahrt kamen die Reisenden im Land der dunklen Wälder und kristallenen Seen an, wo sie von den Quartiersleuten herzlich empfangen wurden. Um mit der dortigen Bevölkerung engeren Kontakt zu bekommen, wurden bewußt Privatquartiere bezogen.

Nun war alles gespannt, ob die Einweihung der Gedenktafel und des Gedenksteins auf dem Friedhof problemlos vorgenommen werden konnte. Zuständig dafür war Rudolf Heldt aus Altenkirchen, dessen Vater viele Jahre bis zur Flucht und Vertreibung in Gehlenburg Pfarrer war. Heldt hatte alles mit dem dortigen Bürgermeister und Pfarrer vorbereitet. Den Stein und die Tafel hatte der polnische Steinmetz Klinski aus Arys fachgerecht hergestellt und einige Tage vorher aufgestellt. Finanziert wurde es durch die Spenden der Gehlenburger. Die Einweihung begann mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche. Die Kirche war voll besetzt, es hatten sich Polen und Deutsche, also katholische und evangelische Christen versammelt, um gemeinsam an diesem einmaligen Erlebnis der Stadt teilzunehmen. Der katholische Pfarrer begrüßte alle Anwesenden, vor allem die deutschen Bürger dieser Stadt, die hier geboren, getauft und in dieser Kirche konfirmiert und getraut wurden und nun aus Deutschland gekommen waren, um hier in ihrer einstigen Kirche am Gottesdienst teilzunehmen. Heldt betonte, daß unabhängig von Sprache und Konfession das Gotteswort zu jeder Zeit in dieser Kirche gesprochen wurde. Beachtlich für alle Anwesenden war, daß nach 50 Jahren hier wieder deutsche Lieder gesungen werden durften. Dabei floß so manche Träne.

Nach dem Gottesdienst wurde die Gedenktafel im Vorraum der Kirche unter großer Beteiligung feierlich eingeweiht. Dann ging man gemeinsam zum Friedhof. Auch dort versammelten sich bei herrlichem Sommerwetter einige 100 Menschen, um an dieser Feier teilzunehmen.

Der neu errichtete Stein stellt ein Kreuz dar und steht sichtbar auf einem Hügel des ehemals deutschen Friedhofs. Er trägt die Inschrift: „Zum Gedenken an alle, die hier und fern der Heimat ihre letzte Ruhe gefunden haben.” Auf der Rückseite: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.”

Rudolf Heldt hob in seiner Rede hervor, daß dieser Stein zu Ehren aller Bürger der Stadt, die hier ihre letzte Ruhe gefunden haben, aber auch all jener, deren Gräber unbekannt irgendwo fern der Heimat sind, aufgestellt worden sei. Nach der Enthüllung wurde der Stein vom evangelischen Pfarrer Rej aus Johannisburg feierlich eingeweiht. Nach der Kranzniederlegung sang man die Lieder: „Großer Gott, wir loben dich” und „Nun danket alle Gott”.

Zum Abschluß erklang der Ostpreußenchoral „Land der dunklen Wälder”. Musikalisch begleitet wurde die Feierstunde von einer polnischen Jugendmusikgruppe aus Johannisburg.

Eine Völkerbegegnung, wie sie vor einigen Jahren undenkbar war. Alle Gehlenburger, die am Gottesdienst in der Kirche und an der Steineinweihung auf dem Friedhof teilgenommen hatten, waren sehr beeindruckt und froh, endlich, nach so langer Zeit für ihre Vorfahren ein bleibendes Denkmal gesetzt zu haben.

Anschließend wurden alle Teilnehmer zu einem Beisammensein eingeladen. Es gab reichlich Kaffee und Kuchen. Der große Saal im ehemals Königlichen Hof reichte kaum aus, um allen einen Platz zu bieten, ein beeindruckendes Bild der Gemeinsamkeit. So hatten zwei katholische und ein evangelischer Pfarrer Platz genommen, auch zwei stellvertretende Bürgermeister und der Steinmetz mit Familie.

Der stellvertretende Bürgermeister von Gehlenburg (Bialla) überbrachte Grüße des Bürgermeisters und begrüßte alle Anwesenden und lud alle ein, öfters nach Bialla zu kommen. Dann ergriff eine Gehlenburgerin die Gelegenheit und machte Vorschläge zur Verschönerung ihrer Heimatstadt.

Dies erweckte bei den Verantwortlichen großes Interesse. So wurde auch hier ein Grundstein für weitere Zusammenarbeit gelegt.

Eine Masurenfahrt mit Wanderungen durch Wald und Heide sowie eine Schiffahrt auf den Masurischen Seen ließen diese Reise ausklingen.

 

Quellen:
Foto: aus dem Film "14 Juli 1996: Gedenkstunde in Johannisburg/Gehlenburg"
Textbeitrag: Kurt Zwikla / Neuss, veröffentlicht im
Johannisburger Heimatbrief 1997. Seite 32-33

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Einweihung der wiederhergestellten Friedhofskapelle
Der Friedhof lebt auf - Es ersteht ein "Park des Friedens"

Der Friedhof lebt auf - Es ersteht ein "Park des Friedens" So überschrieb Marek Truszkowski von der Gazeta Olsztynska seinen Bericht vom 12.05.2003 über die Einweihung der alten deutschen Friedhofskapelle auf dem Areal des Friedhofs.

Wer sich am Sonnabend, dem 10. Mai 2003, gegen halb elf Uhr dem ehemaligen deutschen Stadtfriedhof in Johannisburg / Pisz näherte, konnte von dort ungewöhnliche Klänge hören: Aus Lautsprechern empfing ihn Gospelmusik in polnischer Sprache. Zudem hatten polnische Jugendliche der Pfadfinder, Gruppe Pisz, die seit 1994 die Möglichkeit haben, in Jugendlagern bei der Arbeit an Kriegsgräbern mitzuarbeiten, zusammen mit deutschen Jugendlichen der Deutschen Kriegsgräberfürsorge unter Hans Linke nochmals das Areal gesäubert und standen nun bei den Ehrenkreuzen in kleinen Gruppen Ehrenwache. Während der Feier setzten sie bei diesen und mehreren verbliebenen zivilen Gräbern buntfarbige Grablichter auf und schufen so einen feierlichen Rahmen. Mehr und mehr setzte sich die Sonne durch, was viele Gäste in ihrem Empfinden für diesen Tag symbolisch zu verstehen meinten. Versammelt hatten sich gut 200 Personen: die meisten kamen aus der einheimischen Bevölkerung; aus dem ganzen Kreis hatten sich Teilnehmer eingefunden, u. a. der jetzige Landrat und die vorigen Landräte, ebenso alle Bürgermeister des Kreises. Von der Presse waren die „Gazeta Pisca", die o. g. „Gazeta Olsztynska" / Allenstein und das „Mitteilungsblatt der deutschen Minderheit, Dachverband Allenstein", vertreten. Die zahlreichen Ehrengäste waren der Einladung von Mira Kreska, der Vorsitzenden des deutschen Freundeskreises Rosch, und dem Bürgermeister der Stadt, Andreij Szymborski, gefolgt; letztere hatten auch gemeinsam das Programm abgesprochen. Als Dolmetscher fungierten Irene Wesolowski und Dietmar Serafin, der mit einer kurzen Begrüßung den Auftakt zu dieser Feierstunde gab. Bürgermeister Szymborski hieß alle im Namen der Stadtverwaltung willkommen und würdigte dieses Ereignis als herausragendes Zeichen einer guten Entwicklung der Beziehungen zwischen Deutschland und Polen. Als Beispiele nannte er die Arbeit des Freundeskreises Rosch mit der Stadtverwaltung, Ausstellungen im Museum, Stipendien für polnische Schüler im Patenkreis Schleswig-Flensburg, ebenso Kontakte, Austausch und Zusammenarbeit von Sportlern, Feuerwehren, Lehrern und Mitarbeitern in der Kriegsgräberfürsorge.
 

Feierliche Einweihung der Friedhofskapelle

Auch Landrat Wlutkowski unterstrich in seinen Worten die Genugtuung darüber, dass es im Laufe der Jahre doch gelungen ist, sich anzunähern und heute diesen „Park des Friedens" hier mitten in der Stadt als Symbol der Verständigung und des Friedenswillens der Bevölkerung erstehen zulassen.

Anschließend umriß Hans Linke, der hier in Johannisburg seine Wurzeln hat und, eingedenk der furchtbaren Auswirkungen der Kriege auf Menschen und Völker, seit 50 Jahren nationale und internationale Jugendlager für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge durchführt, als Initiator dieses Vorhabens die Idee, Durchführung und Fertigstellung dieses Projekts. Er sprach seinen und auch den seiner jungen deutschen und polnischen Freunde Wunsch aus, „...dass sich in diesem Park des Friedens verwirklichen möge der Glaube an die Versöhnung von Deutschen und Polen, die gemeinsam die Vergangenheit durch eine bessere Zukunft in einem geeinten Europa überwinden werden. - Herr, gib und erhalte uns den Frieden."

Da der Attache der Deutschen Botschaft aus Danzig noch nicht eingetroffen war, sprach nun Kreispräsident Johannes Petersen vom Patenkreis von der Partnerstadt Schleswig-Flensburg seine Grußworte. Erfreut über die bisherige Zusammenarbeit zwischen den Städten ermunterte er die Verantwortlichen, weiter an einem regen Austausch verschiedenster Gruppen zu arbeiten.

Der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Wilhelm von Gottberg, würdigte dieses Beispiel gelungener Verständigung als Basis für eine gedeihliche Zusammenarbeit der beiden Völker für die Zukunft. Willi Reck von der Kreisgemeinschaft Johannisburg verlas die Grußadresse des Kreisvertreters Gerhard Wippich, in der es u. a. heißt:

„Das Kreuz in dieser Kapelle soll die Erinnerung daran wachhalten, was Menschen einander an Leid zufügen können und auch zugefügt haben. Machtgelüste und auch das Herrschaftsstreben über andere Menschen und Völker, ausgeübt von Regierenden und deren allzu willigen Helfern, von Deutschen und von Polen - haben niemandem Segen bringen können, weder den Siegern noch den Besiegten.

Möge die Zeit auch Wunden vernarben lassen, die sie bewirkenden Handlungen sollten nie vergessen werden. Nur die wachhaltende Erinnerung an menschenverachtende Taten und ihre schlimmen Folgen kann vor Nachahmung und Wiederholung schützen. Es gibt keine Kollektivschuld, jedoch hier eine kollektive Verantwortung. Auch als Christen, wie wir es in Europa sein wollen, sollten uns die Worte Versöhnung und Vergebung nicht leichtfertig über die Lippen kommen. Bevor wir sie gebrauchen wollen, sollte davor die Zeit der Reue, der Buße und der Besserung liegen. Der Anfang dafür ist gemacht. In einer angestrebten europäischen Völkergemeinschaft wäre sonst kein gemeinsamer Platz für uns vorhanden. - Möge diese Kapelle und deren Erhaltung stets ein Sinnbild für den erstrebten Frieden unter den Völkern sein. Hier kann er sein Zeichen finden."

Danach dankte Willi Reck allen Heimatfreunden, die dieses Projekt finanziell unterstützt haben. Besonders hob er das Engagement und die Leistung Wilhelm Czypulls hervor, der die Vollmacht der Kreisgemeinschaft hatte, aber aus gesundheitlichen Gründen zu diesem besonderen Tag nicht kommen konnte. Er ging auch auf das Alter der Kapelle ein. Unter der Dachhaut eingefügte Zeitungsexemplare weisen auf eine Restaurierung im Jahr 1935 hin. Das Baujahr liege aufgrund des Baustils etwa 100 Jahre zurück. Das Bauwerk sei ein Kleinod unter den Kulturgütern. Er sprach den Wunsch aus, „...dass nie wieder die Furie des Krieges dieses schöne Land durchtoben möge".

Die darauf folgenden Gedichtvorträge von Rom Sobolewski (J. W. von Goethe: „Das Göttliche" und J. Jacobi: „Die Linde auf dem Kirchhofe") und von Kaia Karwowska (H. Hesse: „Im Nebel") wirkten durch ihren eindringlichen klaren Ausdruck und den Textinhalt in dieser Feierstunde sehr bewegend.

Nun nahmen Mira Kreska, Bürgermeister Szymborski und Willi Reck neben der verhüllten Inschrift-Tafel an der Seitenwand der Kapelle ihren Platz ein. Das mit in den beiden Nationalfarben gehaltene Tuch fiel und gab die zweisprachige Inschrift der Bedeutung der Kapelle frei, sicher ein tief empfundener Augenblick für alle Beteiligten.
 

Feierliche Kranzniederlegung am Hochkreuz der Kriegsgräberanlage

Nach feierlichen Kranzniederlegungen (auch am Hochkreuz auf dem Ehrenfriedhof) sprach zuerst der evangelische Pfarrer K. Rej zum Bibelwort Offenbarung 21,5: „Und sagte der Herr, der auf dem Thron saß: So mache ich alles neu." Er erinnerte an die Bedeutung, die eine Stätte dieser Art für alle Menschen hat, unabhängig von Nation, Glaube oder Denken, ebenso an das Schicksal dieser Stätte und ihre Verbindung zum Leben der früheren und jetzigen Bewohner: „Gott überzeugt uns, dass bei ihm nichts unmöglich ist und dass alles für Glaubende möglich ist. Lasst diese Stelle für uns alle ein Zeichen der Liebe Gottes sein."
 

Der katholische Geistliche der Stadt weihte das Hochkreuz mit Gedenktafel in feierlichem Ritus ein

Der katholische Geistliche der Stadt, Pfarrer Jan Kartowsky, weihte die Kapelle und auch das Hochkreuz mit der Gedenktafel in feierlichem Ritus ein.
 

Gruppenfoto der an dieser Zeremonie Beteiligten

Da die Zeit nun sehr fortgeschritten war, lud Mira Kreska in das Kulturhaus der Stadt zu Kaffee und Kuchen und der anschließenden Veranstaltung „Der Vergessenheit entreißen" ein. Für das leibliche Wohl sorgten Herta und Sabine Kadlubowska, Christine, Ulla Grabowska und ihre Helferinnen. Die verantwortlichen Lehrer(innen) für den kulturellen Beitrag waren Adam Sobolewski, Margorzata Babka, Maria Zabielska, Lucyna Sokotowska, Urzula Gromadzka und Jaroslav Szumowski. Sie hatten mit den beteiligten Schülern und Schülerinnen in einem Projekt über zwei Jahre an der Geschichte der Friedhöfe und Gräber gearbeitet.

Diese Jugendlichen aus Biala-Pisca (Gehlenburg) ließen in ihrem Gedenken die Teilnehmer durch die besondere Gestaltung der Bühne mit Kreuzen, Tüchern, Lichtern und Kerzen, mit unterlegter getragener und klassischer Musik und den eindringlich und sanft gesprochenen Texten und Gedichten - in polnischer und deutscher Sprache - in eine ganz besonders besinnliche Atmosphäre eintauchen. An den Seiten waren auf dunkelgründigen Schautafeln Fotos von alten deutschen Friedhöfen / Gräbern zu sehen mit entsprechenden Erläuterungen. Die 14- bis 17jährigen Jugendlichen in weiß-schwarzer Kleidung trugen oder lasen ihre ausgearbeiteten Texte vor. Ein Beispiel:

„Vor dem Dorf Konopki (Konopken - ab 1938: Mühlengrund) auf der Anhöhe rechts von der Straße befindet sich der alte deutsche Friedhof. Die menschliche Hand hat den schmalen Pfad geformt. Die Sargträger haben hier ihre Golgatha und Everest gehabt. So wollten die es haben, die romantischen Bewohner dieser Gegend. Kann sein, dass es auch darum ging, dass der Tote auf seinem letzten Lebensweg von oben die ganze Umgebung sehen konnte. Es gibt was zu sehen, breite Felder, weite Hügel, Häuser und Wald. Alles wie auf der Handfläche. Heute ist leider der Pfad verwachsen, keiner klettert hoch. Stille, die Zeit des Vergessens. Das alte Metallkreuz sagt auch nicht, auf welches Grab es gestellt wurde. Nebel hat alles umschlungen. 23 Gräber bleiben anonym." (Übersetzt von Irene Wesolowski.)
 

Ehrung der alten ev. Ortsfriedhöfe und WK1-Kriegsgräber im Kreis Johannisburg

Dieses Projekt hatten die Lehrer mit ihren Schülern ohne Absicht, es bei dieser Einweihung vorzustellen, bearbeitet. 24 Jugendliche waren beteiligt und bewegten mit ihrem Vortrag die Gemüter der Teilnehmer sehr. Mira Kreska hatte sie zur Mitwirkung gewinnen können.

Bevor die Kinder und Jugendlichen der städtischen Musikschule ihre folkloristischen und musikalischen Darbietungen gekonnt und fröhlich einbrachten, richtete der Attache der Deutschen Botschaft in Danzig, von Berg, seine Worte der Freude über das heutige Ereignis an die Zuhörer. Auch er nahm die Einweihung der alten Friedhofskapelle als Zeichen einer gelungenen und hoffnungsvollen Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Polen.

Zuletzt wurde Mira Kreska mit einem großen Blumenstrauß durch Bürgermeister Szymborski geehrt.

In ihrer Ansprache sprach sie vom langen Warten auf dieses Ereignis und allen damit verbundenen Arbeiten und Mühen, aber auch von Freude und Dankbarkeit, dass das Werk nun verwirklicht sei, und dankte allen Beteiligten, auch dem vorigen Bürgermeister Puchalski, für ihr Wirken. Mit dem Satz „An uns wird es liegen, unsere deutschen Landsleute und unsere polnischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Johannisburg an das Kreuz der Gedenkstätte zu führen, um mit ihnen gemeinsam um Versöhnung und die Erhaltung des Friedens zu beten." beendete Mira Kreska ihre Ansprache und auch die Feierlichkeiten zur Einweihung der alten, nun renovierten Friedhofskapelle als Teil des Friedensparkes inmitten der Stadt Johannisburg / Pisz.
 

Quellen:
Fotos: Archivmaterial (1), aus dem Film: Kapelleneinweihung 2003 (5);
Text: von Sieglinde Falkenstein
veröffentlicht im Johannisburger Heimatbrief 2004, Seite 30-32

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Stand: 04. Februar 2019