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Tatarenlied
 

 
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Hermann Sudermann
 

Die masurischen Farben:  blau - weiß - rot

 

 
Das Tatarenlied
(0 wtargnieniu Tatarskim do Prus, roku 1656)

Dieses Lied wurde unter der Nr. 740 in das Masurische Gesangbuch aufgenommen.

1. Betrübtes Vaterland! Netze Deine Wangen;
Denkt, Preußen, was mit euch damals vorgegangen,
Als man sechszehnhundert sechs und fünfzig zählte,
Und ein ergrimmter Feind euch empfindlich quälte.

2. So wie e’n Adlerschwarm, kam in schnellen Heeren
Ein raues Heydenvolk, alles zu verzehren.
Unvermuthet sprengten wilder Barbarn Horden
Auf raschen Pferden an, um hier frey zu morden.

3. Die angeschürrte Glut schlug in hellen Flammen
Gleich über Haus und Dorf, Kirch und Stadt zusammen.
Vieh, Gerät und Silber ward hiebey erbeutet,
Und durch das ganze Land Furcht und Noth verbreitet.

4. Die spätste Nachwelt wirds mit Erstaunen lesen,
Wie groß der Tartarn Wuth dazumal gewesen.
Durch das härtste Elend, so man nie erhöret,
Ward unser Ruhestand unverhofft gestöhret.

5. Den Enkel traf nunmehr, was in fernen Zeiten
Die Väter nicht erlebt: Tausend Grausamkeiten
Kränkten hier die Unschuld; und ey solchen Plagen
Beklemmeten die Brust Ohnmacht und Verzagen.

6. Des Tartars strenge Faust trieb bestickte Schaaren,
Die seinem schnellen Pfeil nicht entronnen waren;
Und wer konnt entrinnen? Was der Wald verstecket,
Was Busch und Strauch verbarg, ward von ihm entdecket.

7. Sein scharfer Säbel hieb alles ohn Erbarmen;
Der Wütrich riß das Kind aus der Mutter Armen,
Die mit nassen Wangen kläglich nach ihm blickte,
Und tiefe Seufzer nur zu den Wolken schickte.

8. Ward wohl der Bösewicht durch ihr Flehn gerühret?
Der unbarmherzig sie an sein Pferd geschnüret,
Und im schnellen Traben mit sich fortgenommen;
Obgleich das Kind dabey hülflos umgekommen.

9. Des Säuglings Winseln ist durch die Lufft gedrungen,
Das Kält und Hunger ihm schmerzhaft abgezwungen.
Mußte nicht so mancher ohne Pfleg erblassen?
Nachdem die Mutter ihn unversorgt verlassen.

10. Ein jeder suchte nur ganz betäubt von Schrecken
Den Ort zur Sicherheit, um sich zu verstecken;
Da des Tartars Blutdurst bloß auf dieses zielte,
Wie er sein Müthlein jetzt an den Christen kühlte.

11. Auf den Feldern irreten armer Waysen Haufen;
Bestürzet sah man sie durch einander laufen;
Und gleich jungen Vögeln, wenn sie sich zerstreuen,
Mit ängstlich banger Stimm, nach den Aeltern schreyen.

12. 0 Vater! riefen sie, laß dich von uns finden.
Geliebte Mutter, ach! kannst du so verschwinden?
Bis sie matt vom Weinen, matt von Frost und Darben,
Und alles Trosts beraubt, auf den Feldern starben.

13. Die Aeltern aber selbst lagen schon in Banden;
Zur Freyheit war für sie gar kein Weg vorhanden.
Niemand durfte hoffen, sie von Strick und Ketten
Der harten Dienstbarkeit jemals zu erretten.

14. Der Kinder Jammerstand mehrte zwar ihr Quälen;
Doch mußten sie aus Furcht ihren Schmerz verhehlen.
Nur im Herzen ließ sich Gram und Wehmut spüren;
Wie Blumen, die verdorrt Farb und Schmuck verliehren.

15. Verlassen saßen sie unter den Barbaren,
Wo sie der Trübsalsfluth bloßgestellt waren.
Hier hat selbst die Keuschheit von den wilden Sitten
Des gottsvergeßnen Volks offt Gewalt gelitten.

16. Es ward das graue Haupt manchem abgeschlagen;
Der tiefsten Wunden Schmerz mußten andre tragen.
Keiner blieb verschonet; wie verlaßne Heerden
Ein unverwehrter Raub schlauer Wölfe werden.

17. Wie in dem Höllenpfuhl, hat an Händ und Füßen
Das arme Christenvolk Bande schleppen müßen.
Ehegatten mußten sich gezwungen scheiden,
Und so getrennt forthin allen Umgang meiden.

18. Sie sahn einander an, ohn ein Wort zu sprechen;
Die Seufzer mußten still sich aus dem Herzen brechen.
Quälte sie der Hunger auf der weiten Reise;
So war ein stinkend Aas ihre beste Speise.

19. Verstricket wurden sie, wie das Vieh getrieben,
So wollte man die Rach an den Christen üben!
Unter bittern Zähren fielen ihre Blicke
Auf Freund und Vaterland noch zuletzt zurücke.

20. Wie viele haben nicht in den schnellen Flüßen
Vom Strudel hingerafft, kläglich sterben müßen!
Da das Übersetzen offtmals nicht gelungen;
Ist häufig Greis und Kind, Mann und Weib verschlungen.

21. Kein Moses führte jetzt Israels Geschlechte;
Ein strenger Barbar trieb die leibeignen Knechte.
Wenn. getheilte Wellen dort wie Mauern stunden;
Hat mancher hier sein Grab in der Fluth gefunden.

22. Sie wurden hingeschleppt in ein Land der Heyden,
Um Gram und Ungemach überhäuft zu leiden.
Als sie angelanget, hat man unverweilet
Den mitgebrachten Raub hier vergnügt vertheilet.

23. Und so ist Gottes Zorn strafend ausgebrochen;
Wie ehemals Moses schon diesen Fluch gesprochen:
Wegen der verübten schweren Missethaten
Sollst du den Feinden einst in die Hand gerathen.

24. Die du zur Ehe nahmst, wird dein Weib nicht heißen;
Ein fremder soll sie dir von der Seite reißen.
Häuser, die du bautest, werden ledig bleiben:
Denn in ein fernes Land wird man Dich vertreiben.

25. Dein Mastvieh soll der Feind ohne Scheu verzehren,
Er wird dein Vorratshaus durch das Feur verheeren,
Dir das Lasttier rauben: und das weggenommen
Dieß hoffe nimmermehr wieder zu bekommen.

26. Die Tochter und den Sohn wirst du dann verliehren,
Des Feindes Grausamkeit soll sie dir entführen.
Zähl hinfort betrübt deine Lebenstage,
Als einen Innbegriff unverkürzter Plage.

27. Ein räubrisches Geschlecht soll dein Land besiegen;
Gleich Vögeln, wird dein Volk überall verfliegen.
Mit bethränten Augen mußt du dieß erblicken,
Dir wird die Bangigkeit allen Muth ersticken.

28. Dies ist der Boßheit Lohn, die du gehäufet,
Da du im Sündendienst schändlich ausgeschweifet.
Drum mußt du verjaget aus der Heimat fliehen,
Und in ein fremdes Land wider Willen ziehen.

29. Laßt Preußen, dieses auch unvergeßlich bleiben.
Hört auf, eur böses Thun weiterhin zu treiben.
Euren Wandel müßte reiner Glaube schmücken;
So sollen euch nicht mehr solche Strafen drücken.

30. Ach aber! laßen nicht leider! Schand und Sünden
Wohin der Blick nur fällt, sich in Preußen finden?
Wenig sind, die Neigung zu dem Guten hegen,
Es wandelt alles Fleisch auf den Lasterwegen.

31. Die .Armuth wird gedrückt, denn bey Nacht und Tage
Vermehret man die Last ihrer schweren Plage.
Redlichkeit und Liebe sind schon veraltet,
Und, wie die Wahrheit längst in der Brust erkaltet.

32. Man seh umher, ob hier noch Treue währet?
In Schallheit und Betrug hat sie sich verkehret.
Tückisch möchte mancher ohne zu erröthen
Durch einen Wassertrunk seinen Nächsten tödten.

33. Um ihn zu hintergehen, wirft er heimlich Netze;
Sinnt, wie er Nachbarn selbst an einander hetze.
Zwar die glatten Worte fließen gleich dem Oele;
Doch Boßheit, Gall und Gifft kocht in seiner Seele.

34. Wie handelt offt der Sohn seiner Pflicht entgegen!
Er will des Vaters nicht in dem Alter pflegen:
Da doch Gott verheißen, Heil und langes Leben
Dem, der die Aeltern ehrt, in der Welt zu geben.

35. Die Tochter läßt sich nichts von der Mutter sagen;
Erfrechet sich wohl gar sträflich sie zu schlagen.
Wird unter Brüdern nicht so ein Haß verspüret,
Der die Verbitterung bis zur Mordsucht führet?

36. Den Stand der Obrigkeit will man nicht mehr ehren;
Ja wohl sich freventlich gegen sie empören.
Doch wer ist‘s, der alles zu beschreiben waget
Was Preußen Böses thut? Es sei Gott geklaget!

37. 0 Land! Das Schwerdt ist schon über dir gezücket.
Wie hat die Sicherheit dich so gar berücket!
Sind gleich jene Plagen von dir weggenommen;
So denk, es können bald noch viel ärgre kommen.

38. Tritt Gott in Demuth an; flieh sofort die Sünden;
Vor seinem Gnadenthron suche Rath zu finden.
Was bisher begangen mußt du ernstlich haßen.
So wird Gott seiner Huld dich genießen laßen.

39. Sein Auge sieh auf dich von des Himmels Höhen.
Als Schutzherr wird er dir an der Seite stehen.
Will der Feind von neuem einen Anfall wagen;
So wird sein Schrecken ihn von der Gränze jagen;

40. Du wollest selbst, o Gott! unser Herz regieren;
Daß wir mit Heiligkeit stets den Wandel zieren.
Wirst du mit den Engeln zum Gericht erscheinen;
So stell uns neben sie in der Zahl der Deinen.

41. Da wird dir unser Mund neue Lieder singen;
Da soll der Dankbarkeit froher Ton erklingen.
Mit den Engeln wollen wir dein Lob erheben.
Erhöre dieß, o HERR! Laß uns mit dir leben!

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Quellen:
Masurisches Gesangbuch 1895,
Text:
Pfarrer Johann Molitor, Groß Rosinsko, 1656;
Übertragung aus der masurischen Sprache:
Rektor Pisanski, Angerburg;
Hans-Egon von Skopnick, Hochriesstr. 38b, D-83122 Samerberg,
Tel. 08032-8494, April 1995

 
 
 

 Die masurischen Farben:  blau - weiß - rot

 

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weitere Informationen:
Deine jungen Töchter verschleppte der gelbe Tatar ...
Die Tatareneinfälle in Ostpreußen und das Tatarenlied des Pfarrers Molitor
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Das Tatarenlied
www.historische-masurische-vereinigung.de/z_tataren1656.html
 

 
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Stand: 04. Februar 2019