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Der Landkreis
Rastenburg
Im nördlichen Kreisteil liegen die beiden Städte Barten und Drengfurt. Die Stadt Barten ist neben der vor 1311 vom Brandenburger Komtur gegründeten Ordensburg entstanden. Zur Prußenzeit war Barten die Hauptburg des Bartenlandes, sie hat auf dem Schloßberg östlich der Stadt gestanden. Der Orden erbaute die Ordensburg 1325 800 m südlicher, sie war als Konventshaus vorgesehen und deshalb großzügig mit Haupthaus und Vorburg errichtet und vom Hochmeister Winrich von Kniprode um 1377 ausgebaut und verstärkt worden. Sie wurde von einem Pfleger verwaltet. Im 13jährigen Kriege wurde die Burg 1455 teilweise zerstört; der breite Nordflügel brannte 1915 aus. Im Schutze der Burg entwickelte sich aus Krügern und Gärtnern eine Lischke, die schon 1389 eine Kirche hatte. 1473 wird Barten „Städtlein" genannt; es erhielt aber erst 1628 das Stadtrecht, blieb unbedeutend und klein. In den Jahren 1563 und 1627 zerstörten große Brände die Stadt; 1657 und 1709 wütete die Pest, 1831 die Cholera. 1732 erhielt die Stadt Zuzug durch Salzburger. Im Jahre 1898 bekam Barten Kleinbahnanschluß nach Rastenburg und 1917 nach Gerdauen. Die Lateinschule des 18. Jahrhunderts wurde zur Stadtschule; eine Mittelschule wurde 1918 eröffnet. 1937 hatte Barten 1.551 Einwohner. Seit 1945 liegt die Stadt im polnisch besetzten Teil Ostpreußens. Ostwärts Barten liegt am Flüßchen Omet und am Fuße der 154 m hohen Fürstenauer Berge die Stadt Drengfurt. Sie wurde neben dem vor 1397 gegründeten Dorf Drengfurt mit rechteckigem Grundriß angelegt und erhielt 1405 vom Hochmeister Konrad von Jungingen das kulmische Stadtrecht. Sie war durch Pfahlwerk, Gräben und drei Tore gesichert. Die 1409 vollendete Kirche liegt am Stadtrande außerhalb des alten Stadtkerns, sie mußte 1577 erneuert werden. Nach dem 13jährigen Kriege wurde Drengfurt von 1469 bis etwa 1485 ein Lehn des Peter Siegelvoith. Vor 1592 erhielt die Stadt eine Schule. Im Kriegsjahr 1655 mußten viele Bürger die Stadt verlassen; sie war „halb wüst und öde". Beim Tatareneinfall wurde Drengfurt am 13. Februar 1657 fast vollständig niedergebrannt; es erhielt für den Wiederaufbau bis 1679 Steuerfreiheit. 1595 hatten die Pocken geherrscht, 1710 starben 81 Menschen an der Pest. Das Rathaus wurde 1775/1778 fertiggestellt. 1779 wütete wieder ein Stadtbrand. Die ungünstige Lage der Stadt verhinderte ein Wachstum, sie blieb eine Ackerbürger- und Handwerkerstadt mit geringer Einwohnerzahl, auch als sie 1897 Kleinbahnanschluß nach Rastenburg erhalten hatte. 1939 wurden 2.289 Einwohner gezählt. Seit 1945 liegt die stark zerstörte Stadt im polnisch besetzten Teil Ostpreußens. Eine besondere Bedeutung hatte in der Ordenszeit Bäslack. Hier hatte der Orden am linken Ufer der Deine zwischen Bäslack und Rehstall im Gebiet Rhein zum Schutz gegen die Litauereinfälle im 14. Jahrhundert ein Wildhaus errichtet, das später zu einem Ordenshaus ausgebaut worden war. Die zweigeschossige Anlage wurde 1583 zur evangelischen Kirche umgebaut, die an der Südseite 1726/1728 einen Turin erhielt. - Westlich Bäslack liegt in reizvoller Umgebung Heiligelinde. Bereits in der Ordenszeit befand sich hier eine Wallfahrtskapelle. An ihrer Stelle wurde von 1687 bis 1730 eine prachtvolle Wallfahrtskirche in italisierendem Barock mit Nebengebäuden erbaut. Sie gehört zu den schönsten Bauwerken Ostpreußens. - Im westlichen Kreisteil liegt in fruchtbarer Umgebung der wichtige Eisenbahnknotenpunkt Korschen. - Die westlich Barten gelegene Begüterung Dönhoffstädt ist bekannt durch sein Herrenhaus, das 1710/1716 von Boguslav Graf von Dönhoff erbaut worden ist. Es ist umgeben von einem prächtigen Park. - Das Kirchdorf Leunenburg ist aus einer 1326 inmitten der „Wildnis" gegründeten Ordensburg an der Mündung der Zaine in die Guber hervorgegangen. Sie wurde 1628 im Schwedisch-Polnischen Kriege zerstört. Die Burgsiedlung hatte schon 1403 eine Kirche; diese ist 1839/1842 gründlich erneuert worden. Am Markt standen hübsche Laubenhäuser. - An die Kirche zu Schwarzstein knüpft sich die Sage von der Krugbesitzerin zu Eichmedien, die wegen Bierbetrugs vom Teufel in ein Pferd verwandelt worden ist. - Das Gebiet um Drengfurt ist reich an urgeschichtlichen Gräberfeldern und an alten Schloßbergen, wie Fürstenau, Wolfshagen. Die Patenschaft über den Kreis Rastenburg hat der Kreis Rees, über die Stadt Rastenburg die Stadt Wesel und über die Stadt Barten die Stadt Rees übernommen.
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