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Johannisburg in Ostpreußen

 
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Wenn jemand eine Reise tut,
dann kann er was erzählen ...
Ein Reise-Erlebnisbericht von Werner Schuka

vielleicht hat ja der eine oder andere ja gelegentlich von Betriebsstörungen bei der Deutschen Bahn in der Zeitung gelesen oder in den Nachrichten gehört.  Mir ist es bisher genauso gegangen, habe aber noch nie in einer solchen Betriebsstörung mittendrin gesteckt ... aber der Reihe nach:

Ich habe mich am Do. 11.11.2010 von Minden (Ost-Westfalen-Lippe, NRW) nach Schleswig (Kreis Schleswig-Flensburg, SH) begeben. Optimaler Fahrtverlauf, keine Beanstandungen - aber es war ja auch noch die Rückfahrt am Sa. 13.11.2010 zu bewältigen.

Die reine Bahn-Fahrzeit für die Rückreise sollte eigentlich (mit Umstieg in Hamburg und Hannover) 4:36 Stunden betragen, ich wäre dann also 17:10 in Minden (Westf.) eingetroffen und gegen 17.30 zu Hause gewesen ... Aber die Tür habe ich erst um Punkt 22.00 Uhr aufgeschlossen - und das lag nicht etwa daran, daß ich vom Bahnhof nach Hause noch einen Kneipenbummel gemacht habe ...

Also:
- Abfahrt in Schleswig: Sa., 13.11.2010 12.34 Uhr
- Ankunft in Neumünster: 13.25 Uhr
soweit also fahrplanmäßig.

In Neumünster fing dann das Chaos an:  Durchsage vom Zugführer: "Wegen eines Personenunfalls verzögert sich die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit". Weitere Hinweise - auch auf mögliche Zug-Alternativen - gab es nicht ...

Statt dessen lief die Bahn-Routine unbeirrt weiter. Für unser Gleis 5 wurden weitere Züge angekündigt, automatische Zug-Anzeige und Lautsprecherdurchsagen liefen - computergesteuert - präzise weiter, als ob nicht geschehen wäre ...

Auf dem Bahnsteig war auch kein DB-Personal mehr zu sehen, was hätte Auskünfte erteilen können. Nach etwa 15 Minuten tauchte ein "DB-Sicherheitsbeamter" auf. Die einzige Aussage, die man von dem erhalten konnte, war folgende (O-Ton): "Der zuständige Mitarbeiter macht gerade Mittag" sprachs, und ging weiter ...

Inzwischen war auf einem anderen Gleis ein weiterer Zug Richtung Hamburg angekommen ... Was nun? - Die Zeit verging, ohne daß wir schlauer wurden ... Irgendwann wurden wir dann über Zuglautsprecher gebeten in den anderen Zug (nach Hamburg) umzusteigen, da unser Zug nach Flensburg zurückfahren würde. - Gesagt, getan - alles raus aus dem Zug, durch den Tunnel mit Gedränge und Geschiebe - rein in den anderen Zug.

Nach etwa weiteren 10 Minuten kann dann ein Hinweis über Zug-Lautsprecher (von einer mit zitternder Stimme sprechenden Zugführerin, der man den Streß anmerken konnte): "Wir fahren erst mal weiter" ...
 

Bahnstrecke: Neumünster-Elmshorn Bahnstrecke: Neumünster-Wrist

In einem Ort den niemand kannte, er hieß Wrist und liegt zwischen Neumünster und Elmshorn - war dann halt. Hier stapelten sich schon Züge, auch ICE, usw.

Durchsage vom Zug-Lautsprecher (O-Ton): "Bitte aussteigen, der Zug endet hier. Busse als Zug-Ersatzverkehr zur Weiterfahrt nach Elmshorn stehen auf dem Bahnhofsvorplatz bereit". Wir stiegen aus und kamen auf einem Bahnsteig mit Rasenfläche - so wie die ganze grüne Umgebung ...

Zu dem Zeitpunkt waren 3 Züge zu sehen aus denen sich etwa 2.000 Leute mit schwerem Gepäck quälten und über Treppe und durch den Tunnel Richtung Bahnhofsvorplatz strömten ...

Hierbei kann mir unweigerlich die Loveparade-Katastrophe in Erinnerung, denn es war ein einziges Gequetsche und Geschiebe auf der Treppe und im Tunnel. Wenn dort eine Person gestürzt wäre, wäre diese vermutlich nie wieder aufgestanden. Ich war froh, als ich aus dem Bahngebäude raus war. Die Leute stapelten sich auf dem Bahnhofsvorplatz, jedoch von Bussen war nichts zu sehen ... Auch nichts von Bahnpersonal oder ggf. Polizei ... Auch keine weiteren Hinweise über Lautsprecher. Die Bahnsteige waren gleich nebenan ...

Nach etwa 30 Minuten kann ein(!) Bus. Es war ein 66er Reisebus, kurze Zeit später kann auch ein weiterer Gelenk-Bus. Beide Busse wurden gestürmt, aber beide waren mit 2.000 Leuten überfordert. Da alle Busse auf dem korrekten Standpunkt der Bushaltestelle "bestanden", ging die restliche Menge zum Buswartehäuschen und stapelte sich folgerichtig auch auf der Straße, denn wer hat schon ein Wartehäuschen gesehen, in dem fast 2.000 Leute platz haben ...

Es kamen aber jede Menge Taxen, die ein gutes Geschäft machen wollten .. Man konnte aus der Ferne das Gefeilsche erkennen ... Ein Taxifahrer wurde gefragt, was denn die Fahrt nach Elmshorn kosten würde "Das weiß ich auch nicht, was am Schluß auf der Uhr steht ..." Trotzdem hatten die Taxen ein gutes Geschäft ...

Einige Mitreisende hatten zwischenzeitlich per Handy die Polizei angerufen, damit jemand in dem Chaos für Ordnung sorgen möge ...

Um die Sache abzukürzen: nach 60 Minuten kam ein dritter Bus ... Inzwischen waren aber noch weitere Züge angekommen, sodaß sich die Personenanzahl die auf dem Bahnhofsvorplatz stand, auf über 3.000 stieg. So viele Leute habe ich auf einem Bahnhofsvorplatz noch nie stehen sehen, Vermutlich war die Anzahl sogar größer als die Zahl der dortigen Einwohner ...

Daß sich jemand "hinter den Zug schmeißt" ist der DB sicherlich nicht als Vorwurf zu machen. Vorzuwerfen ist ihr aber das katastrophale Management einer solchen Sache.

Es gibt offenbar wohl keinen Katastrophenplan für einen Fall einer kurzfristigen Gleis-Vollsperrung und dem schnellen Weitertransport von einer solchen Vielzahl von Menschen. Organisatorisch sollte es kein Problem sein, entsprechende regionale Pläne in der Schublade zu haben, die man dann rausholt, um die darauf stehenden regionalen Busunternehmen anzurufen ...

Diese Situation ist auch nicht vergleichbar mit einem geplanten "Schienen-Eratzverkehr". Viele Mitreisende haben sich über einen solchen nur lobend geäußert ...

Nach 70 Minuten traf dann auch DB-Sicherheitspersonal und die Polizei ein, sowie die ersten Busse aus Elmshorn, die die Leute hier zur Weiterfahrt Richtung Neumünster ausluden ... Und nach etwa 80 Minuten wurde ich dann von der "Masse Mensch" in einen weiteren ankommenden Bus geschoben ... gehen brauchte ich dafür nicht ... wieder kamen mir die TV-Bilder der Loveparade in Erinnerung ...

Der Bus war zwangsläufig überfüllt (auch über die zulässige Personenzahl hinaus und umfallen konnte im Bus auch keiner mehr), ein Polizeibeamter vergewisserte sich beim Fahrer, ob er so fahren könne ... Der Fahrer sagte daraufhin nur "soll ich jetzt einige Leute wieder rausschmeißen?".

Keiner der im Bus befindlichen murrte darüber, der Busfahrer versuchte für etwas Stimmung zu sorgen, stellenweise kam mir das so vor wie bei einer Reisegesellschaft. Der Fahrer erzählte auch, daß man ihn aus dem Feierabend zurückgeholt hatte ... Die Fahrt nach Elmshorn dauerte gute 40 Minuten. Der Bus fuhr zum Teil über die Autobahn. Der Fahrer sagte auch, daß er dort nicht schneller als 60 km/h fahren könne ... (Grund: Gewicht des Busses, sowie der Bremsweg. Der Bus kam im Stadtverkehr nie vor den weißen Ampelstreifen zum stehen, sondern rutschte immer etwas darüber).

In Elmshorn bestiegen wir nach kurzer Wartezeit einen Zug Richtung Hamburg. Der Zugverkehr war inzwischen wieder aufgenommen worden ... Lautsprecherdurchsage im Zug: "Auf Grund eines Personenunfalls haben wir eine Verspätung von 25 Minuten ..." - Ich dachte nur, wenn Du wüßtest ... Bei mir waren es inzwischen 3 Stunden ... - Weitere Durchsage kurz vor Hamburg "Wir bitten alle Fahrgäste mit Zugbindung, sich die Fahrausweise im Hamburg am Servicepoint gültig schreiben zu lassen" Wer den Bahnhof Hamburg kennt, weiß, daß das mit einiger Wegstrecke verbunden ist ... Die langen Treppen will ich hier gar nicht erwähnen ...

Die Dame am Schalter im Reisezentrum schrieb mir die Fahrkarte "gültig", machte aber ansonsten den unterkühlten Eindruck, daß ihr meine Verspätung egal ist - sinngemäß "Wir können doch nichts dafür ..." Das habe ich ihr auch bestätigt, ich hatte sie dann aber höflich auf die mangelhafte Organisation des "Zug-Ersatzverkehrs" aufmerksam gemacht ... Aber das schien ihr relativ egal zu sein ...

- Abfahrt in Hamburg statt 14:53 also 17:53 Uhr.

Das "Lautsprecherpersonal" im Zug war sehr höflich und hilfsbereit, denn es hatte sich auch hier rumgesprochen daß es einen "Personenunfall" gegeben hatte. Es wies auch darauf hin, daß der Zug ausnahmsweise unfahrplanmäßig in folgenden Orten hält: ... Da diese für mich nicht in Frage kamen habe ich mir diese nicht gemerkt. Kurz vor Hannover gab es dann spezielle Durchsagen für Fahrgäste Richtung Stuttgart und Bielefeld/Köln ... Stuttgart können wir uns schenken für Bielefeld/Köln hiß es: Reisende Richtung Minden können auch den IC(irgendwas) auf Gleis 12 um 19.31 benutzen, der Zug hält ausnahmsweise auch in Minden. Der Lautsprecher bat gleichzeitig sich beim Umsteigen zu beeilen, da wir erst 19.27 in Hannover ankommen ... Gesagt, getan - da ich mich in Hannover auskenne war das kurzfristige Umsteigen kein Problem ... Ich vergewisserte mich auf Gleis 12, daß der eingefahrene Zug um 19.31 wieder abfuhr und stieg ein. Zeit um Überprüfen der Lautsprecherdurchsage aus dem ICE 885 war naturgemäß nicht mehr ...

Nachdem der Zugbegleiter zur Fahrkartenkontrolle aufgetaucht war, wollte ich mich noch mal vergewissern und fragte nach. Er schaute auf sein Handyänliches Gerät und sagte dann "Nein, wir halten nicht in Minden, aber ich werde den Zugführer noch mal fragen ..."

Nach kurzer Zeit kam er zurück und sagte, daß es ihm leid täte, aber der Zugführer habe keine Information darüber vorliegen und könne daher nicht in Minden halten, der nächste planmäßige Halt ist Bielefeld ... So fuhren wir also gegen 20:00 Uhr durch Minden durch ... und kamen gegen 20:30 in Bielefeld an ...

Was nun? - Ich versuchte den Fahrplan zu lesen - aber ein Kurzsichtiger hat da manchmal Probleme, gerade dann, wen der entsprechende Zeitabschnitt bei einem Hochformat-Fahrplan so hoch hängt, daß er diesen nicht mehr lesen kann ... Ich dackelte also mit meinem Gepäck zum Infopoint in der Bahnhofshalle (den Bielefelder Bahnhof kenne ich auch sehr gut) . Kurze Frage - kurze Auskunft - "wenn Sie sich beeilen, können Sie noch den Zug auf Gleis 5 erreichen. Der steht dort abfahrbereit" ... Über diese Info freuten sich auch einige junge Leute ohne Gepäck und spurteten los. Ich war mit zwei schweren Gepäckstücken nicht ganz so schnell. Alle hatten wir aber kein Glück. Als die jungen Leute auf der Treppe zum Gleis 5 waren, fuhr der Zug bereits an ...

Ich dackelte mit meinem Gepäck zurück zum Infopoint und sagte, daß der 100m-Lauf nichts gebracht hätte und fragte nach der nächsten Verbindung ... "Um 21.00 Uhr auf Gleis 2". Knapp 30 Minuten Wartezeit also ...

Ich ging zum Gleis 2 und wartete dort. Auf dem ganzen Bahnsteig verbreitete sich jedoch Döner-Gestank - egal wo ich mich hinstellte. Dieser Geruch kam offenbar über eine Außenlüftung aus dem Bahnhofsgebäude. Für jemanden, der für Döner nicht viel übrig hat, ist das sicherlich nicht gerade angenehm, wenn man aber morgens zum Frühstück das letzte Mal was gegessen hat, ist dieser Geruch dann ekelerregend ... Ich ging, nachdem der Zug Minden angezeigt wurde, so weit wie möglich an das Ende des Bahnsteiges um dem Geruch zu entgehen.

Dann - kurz vor 21 Uhr: "Der Zug hat auf Grund eines Erdrutsches bei Düsseldorf 12 Min. Verspätung. Wir bitten um Entschuldigung". Für diesen routinemäßigen Satz hatte ich zu diesem Zeitpunkt leider kein Verständnis mehr.

Der Zug kam dann aber doch noch. Ich stieg ein in der Hoffnung, nun bald zu Hause zu sein ...

Hinter Bad Oeynhausen wurde der Zug immer langsamer und stand dann ... Ratlose Lautsprecherdurchsage vom Zugführer "Wir stehen hier vor einem roten Signal ..." Die Ursache war dann auch bald ausgemacht. Uns kam einer von diesen ICE-Zügen entgegen, mit denen ich an diesem Tage schon durch halb Deutschland gefahren war ... Danach setzte sich auch unser Zug wieder in Bewegung. Kurz vor Minden wurden wir dann gebeten auszusteigen, verbunden mit der Entschuldigung, daß unser Zug inzwischen 20 Minuten Verspätung hat ...

So war ich dann mit knapp 5-stündiger Verspätung und einer Gesamtfahrzeit von 10 Stunden (Haustür Schleswig zu Haustür Minden) wieder zu Hause.

Übrigens: Im ICE nach Hannover füllten schon viele Fahrgäste fleißig die Fahrtkostenrückerstattungen für die Zugverspätung aus (ein Formular was ca. 50 cm lang und beidseitig auszufüllen ist). Mir wurde ein solches Formular von der unterkühlten Dame in Hamburg (siehe oben) nicht angeboten. Vielleicht war es auch mein Fehler nicht danach gefragt zu haben ... Es wurde im Zug darüber diskutiert, was denn nun anzukreuzen sei. Im Gespräch sagte ich nur, daß der betriebswirtschaftliche Aufwand höher sei als die ggf. daraus resultierende Rückerstattung ...

Schlußbemerkung:

Ich habe diesen Bericht vorab an den Kundendialog der Bahn geschickt.
www.deutschebahn.com/site/bahn/de/bahnwelt/kundenbeirat/kundenbeirat.html
Auf dieser Seite heißt es vielversprechend: "Die Meinung der Fahrgäste ist gefragt"

Die Antwort der Bahn, die mir inzwischen vorliegt, macht aber einen ganz anderen Eindruck und kann bei Interesse zur Verfügung gestellt werden.

Erst danach habe ich mich entschlossen meinen Bericht im Internet zu veröffentlichen.

Update:

Eine weitere Mail von der DB ist inzwischen eingegangen. Dieser Antwort-Text paßt schon viel besser auf meinen Bericht.

Ob sich aber jemand um die kritisierten Punkte kümmert und diese überprüft bzw. optimiert bleibt weiterhin unklar ...

bulletÜberprüfung des Organisationsablaufes in Neumünster
bulletÜberprüfung vorliegender Katastrophenpläne für den Fall einer kurzfristigen Gleisvollsperrung
bulletOrganisationsablauf bei "gültig-Schreibung" der Fahrausweise
(sofortige Herausgabe eines Formulars für Reisekostenrückerstattung - auch ohne Nachfrage)
bulletÜberprüfung und Beseitigung der Geruchsbelästigung in Bielefeld
 
 

Text: Werner Schuka, Minden; Foto: www.wrist.de; Karten: DB AG; 16.11.2010
 
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weitere Informationen zu DB-Betriebsstörungen unter:
17.12.2010: Zugstillstand bei Frost - Eingeschlossene Pendler gerieten in Panik
http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,735254,00.html

 

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Stand: 15. Februar 2017